#08 Vom Ergebnis lösen

#08 Vom Ergebnis lösen

Ergebnisorientiert zu sein ist generell etwas Gutes – schließlich hilft es, das Ziel vor Augen zu haben, sonst kommt man ja vom Weg ab und landet nie dort, wo man hin will. Oder doch?
Ich behaupte: Oft ist es besser, das Ziel in den Hintergrund zu stellen und sich auf den Weg zu konzentrieren. Warum? Ich erkläre es anhand einer persönlichen Geschichte.

Ich will, ich will, ich will

„Ich will Kinder“. Ein Wunsch, der mich mein ganzes Leben begleitet hatte, wurde beinahe schon zu einem Dogma. Die biologische Uhr und Druck von Familie, FreundInnen und Gesellschaft taten das ihrige. In meinem Alter sind viele bereits jahrelang verheiratet und haben mehrere Kinder. Nicht, dass ich der Meinung bin, deshalb wären diese Menschen alle glücklicher, aber dennoch – ich empfand, sie hatten etwas, was ich wollte aber nicht erreichen konnte. Es ließ mich nicht kalt, als meine Mama vor Jahren nach dem Ende meiner damaligen Beziehung enttäuscht anmerkte, sie hätte schon gehofft, dass sie nun endlich Oma werden würde.

Der passende Weg

Der Wunsch, endlich den richtigen Partner für eine gemeinsame Zukunft mit Kindern zu finden, trieb mich jahrelang in die Arme der falschen Menschen. Ich verliebte mich in jene, die viel versprachen, aber letztlich nichts davon halten konnten. So fand ich mich immer wieder in Beziehungen wieder, in denen ich mit meinem Wunsch nach einem Zusammenwachsen (und einem zusammen Wachsen) alleine blieb. Ich war so auf das Ergebnis fokussiert, dass ich unfähig war, den passenden Weg zu wählen. Anstatt mein Leben zu genießen und entspannt an die Dinge heran zu gehen, versuchte ich krampfhaft, endlich anzukommen. Ich wollte den Weg möglichst rasch bewältigen, um an das Ziel “Mutterschaft” zu kommen – und hatte dabei das Gefühl, gegen die Zeit anzurennen.

Abgeben, nicht aufgeben

Und dann hatte ich genug. Ich war an einem Punkt angelangt, an dem es mir schlichtweg reichte. Diese Art, Beziehungen zu führen, war anstrengend, frustrierend und definitiv nicht erfüllend. So konnte und sollte es nicht weiter gehen. Also änderte ich meine Haltung. Ich ließ los.

Das Ergebnis loszulassen bedeutet, zu akzeptieren, dass wir gewisse Dinge nicht beeinflussen können. Wir versuchen nicht mehr, ständig irgendetwas zu tun, um etwas zu erreichen oder zu erzielen, was außerhalb unseres Einflussbereichs liegt. Wir geben die Kontrolle ab, geben uns dem Prozess hin und sind einfach.
Das kann beängstigend und sehr herausfordernd sein, ist es allerdings wert.

Im Moment

Als ich bereit war, das Ziel loszulassen, konnte ich plötzlich den Weg – oder genauer gesagt: die unendlich vielen Wege – wieder sehen und genießen. Ich konnte ernsthaft hinterfragen, welche Bedürfnisse ich mir durch eine Mutterschaft erfüllen wollte und erkennen, dass die von mir jahrelang festgehaltene Lieblings-Strategie “Mutterschaft” eine komplett falsche war für das, was ich eigentlich wollte.
Heute habe ich nicht mehr das Gefühl, dass mir zu meinem Glück etwas fehlt. Ich bin glücklich. Ich investiere in mich und in die Dinge, die mir gut tun und genieße mein Leben so, wie es ist. Die Kinder meiner FreundInnen sehe ich nicht mehr als schmerzhafte Erinnerung, dass ich selber keine Mutter bin, sondern als Geschenk – und mehr noch: Als Bestätigung, dass es mir viel besser geht, wenn ich keine eigenen Kinder habe. Ich habe einen Haufen interessanter kleiner Menschen in meinem Leben, die meinen Alltag bereichern und von und mit denen ich lernen kann, während ich gleichzeitig die Freiheiten einer kinderlosen Frau genießen darf.
Meine neu gewonnene innere Haltung und Zufriedenheit ermöglichten mir, allen neuen Menschen mit Ruhe, Gelassenheit und Neugier zu begegnen. Da der Ausgang eines Treffens letztlich irrelevant war, empfinde ich jedes Zusammenkommen als freudvoll und interessant. Dadurch gab ich mir und meinem Gegenüber die Möglichkeit, einander ungezwungen kennen zu lernen und zu schauen, was sich stimmig anfühlt. – Und fand das, was für mich genau richtig ist.

Kurz gesagt

Oft bekommen wir, was wir uns wünschen oder etwas, was noch viel besser ist, indem wir aufhören, krampfhaft an einem Wunsch oder einem Ziel fest zu halten und uns dem Fluss des Lebens hingeben. Wir müssen unsere Wünsche dafür nicht aufgeben. Wir dürfen aber akzeptieren, dass wir nichts erzwingen oder erschaffen können, was (noch) nicht ist und vielleicht auch gar nicht sein soll. Wir können nur die passenden Rahmenbedingungen für ein glückliches Leben kreieren, indem wir die authentischste und glücklichste Version unserer selbst sind. Denn diese Version wirkt wie ein Magnet auf die Dinge, die in unserem Leben sein sollen.
Und plötzlich wird es egal, was dabei raus kommt: Denn wir genießen den Weg, der uns an irgendein Ziel bringen wird – oder an mehrere. Oder an gar keins.

Wer will das schon so genau wissen, wenn´s so freudvoll ist, unterwegs zu sein?

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