Loslassen ist eine der größten Herausforderungen, denen wir uns stellen können. Es erfordert nämlich, dass wir mutig genug sind, uns von Altvertrautem zu verabschieden und uns auf etwas einzulassen, das wir noch nicht kennen. Und genau deshalb ist es so beängstigend.

Kenn ich schon
Wir alle tendieren dazu, am Vertrauten festzuhalten: An Beziehungen, Freundschaften und Jobs; an Möbelstücken, Kleidung oder Gerümpel. Vor allem und am allermeisten jedoch an angelernten Verhaltensweisen und Glaubenssätzen. Diese oftmals so „lieb gewonnenen“ Muster waren zu irgendeinem Zeitpunkt nützlich für uns – meist haben wir sie uns in der Kindheit angelernt. Damals boten sie uns Schutz und dienten als Türsteher unserer Seele – vor allem dann, wenn wir traumatische Erlebnisse hatten. Da sie im Laufe der Zeit ein Teil von uns wurden, tragen wir sie mit uns herum – meist weit über den Punkt hinaus, an dem sie uns nützlich sind.
Jene Verhaltensmuster, die uns einst beschützten,
hindern uns heute daran, glücklich zu sein.
Glaubenssätze wie…
- Ich bin nicht gut genug.
- Ich/alles muss perfekt sein, bevor…
- Ich muss etwas leisten/ für andere nützlich sein, um liebenswert zu sein.
- Ich bin zu viel.
- Ich darf nicht auffallen.
- Ich kann mich auf niemanden verlassen.
- Ich muss alles alleine schaffen.
- u.s.w.
… hindern uns daran, das Leben zu führen, das uns glücklich macht.

Selbstsabotage
Wir sabotieren unser eigenes Glück, da wir unterbewusst an diesen Glaubenssätzen festhalten und somit in Altbekanntem und Vertrautem bleiben. Das erscheint uns sicher, da wir so gewissermaßen Kontrolle behalten: Was wir kennen, kann uns nicht überraschen und somit auch nicht verletzen. Zumindest denken wir das. Denn in Wirklichkeit verletzen wir uns durch das Festhalten am Vertrauten meist selbst. Aus Angst vor einem gewissen Ausgang führen wir in den meisten Fällen genau jenen Ausgang herbei und füttern damit erst recht wieder unseren ungesunden Glaubenssatz.
Auch wenn uns die Konsequenzen unseres Verhaltens nicht glücklich machen, haben wir oft das Gefühl, wir können nicht anders. Die Angst paralysiert uns und hält uns in einem Daseinszustand gefangen, in dem wir immer unglücklicher werden. Wir können uns möglicherweise eine ganze Weile lang vorgaukeln, dass wir zufrieden mit unserem Leben sind, aber tief im Innersten wissen und spüren wir, dass das nicht stimmt.
Uns selbst freilassen
Erst, wenn wir uns trauen, unsere Komfortzone zu verlassen und das Altbekannte loszulassen, können wir etwas ändern. Wir können alte ungesunde Muster und Glaubenssätze auflösen und so unsere Aufmerksamkeit auf das lenken, was uns wirklich dienlich ist. Wo wir bisher gefangen in unserem toxischen Narrativ waren, werden wir plötzlich frei, eine neue, glücklichere Geschichte für uns zu schreiben. Wir sind frei, das zu sein, was wir sein wollen und das zu leben, was wir leben wollen.
Kurz gesagt
Wenn wir loslassen, bewegen wir uns aus unserem alten Selbst hinaus und wachsen in eine neue Identität hinein. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Diese Veränderung passiert nicht von heute auf morgen, aber: Sie passiert, wenn wir sie einladen und zulassen. Und: Sie bringt immer Positives mit sich.
Wer loslässt hat beide Hände frei.
Überlegen Sie mal, was Sie alles mit zwei Händen anstellen können.
